Haus der Kaufmannschaft

Es ist den schlichten,
neugotischen Fassaden des IZL INNOVATIONSZENTRUM
Lübeck im „Haus der Kaufmannschaft“ Breite Straße 6-8 nicht anzusehen, welche Schätze im Innern verborgen sind, die
zugleich besten hanseatischen Kaufmannsgeist widerspiegeln.
Gleichzeitig dokumentieren die Räume die lange Tradition seit dem Jahre 1378 der kaufmännischen Selbstverwaltung in der
Hansestadt. Sie ist Basis, Auftrag und Verpflichtung für die heutige Verbindung von Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie
im Dienste der Wirtschaftsregion Lübeck.

 
 

Die Diele
Im Jahre 1838/39 erfolgte auf dem seit 1495 im Besitz der Kaufleute-Kompanie befindlichen Grundstück Breite Straße 6-8 der Bau der Doppelhäuser mit neugotischer Fassade.
Zuvor war das alte Versammlungshaus der Kompanie baufällig geworden. Seit 1853 hatte die Handelskammer zu Lübeck ihren Sitz in der Breiten Straße, die seit 1934 den Namen „Industrie und Handelskammer zu Lübeck“ trägt.
Durch den Zusammenschluß aller kaufmännischen Korperationen im Jahre 1853 entstand die „Kaufmannschaft zu Lübeck“ und als deren Vorstand die Handelskammer. Die Kaufmannschaft ist unverändert Eigentümerin der Häuser in der Breiten Straße 6-8, das seit dem Jahr 2000 als IZL Innovationszentrum Lübeck vom TZL Technikzentrum Lübeck betrieben wird.
Im Innern des Hauses befinden sich drei wertvolle historische Räume. Die Diele stammt aus dem früheren Haus der Krämer-Kompanie - der Vereinigung der Einzelhändler. Der „Schnitker“ Tönnies Evers schuf die Paneele, auf denen sich die Jahreszahl 1595 befindet.
Die Gemälde in der Diele schuf der Lübecker Maler Johann Willinges, die Malerei trägt das Datum 1596.


Blick in die Diele der „Krämer-Kompanie“. Die Paneele stammen aus dem Jahr 1595, verwendet wurde Eichenholz. Oberhalb der Paneele befinden sich Gemälde des Lübecker Malers Johann Willinges, die den Satz illustrieren: Kleines wächst durch Eintracht, Großes zerfällt durch Zwietracht.

 
Der Sitzungssaal,
Der Sitzungssaal, das einstige „Große Gemach“ der Kaufleute-Kompanie, wurde von Tönnies Evers in den Jahren 1610 bis 1612 geschaffen. Eichenholz wurde verwendet für die prächtige Wandvertäfelung. Das in den Raum weit vortretende Abschlußgesims prägt stark den Raumeindruck. Hier sind auch die Wappen von Mitgliedern der Kaufleute-Kompanie und von Stiftern des Großen Gemachs zu sehen.
Einige Wappenschilde sind leer,einige sind ausgekehlt. Dazu paßt die Legende, dass eine freie Wirtschaft gekennzeichnet wird durch Wachstum,aber auch durch das Risiko Konkurs zu gehen.Deshalb freie Wappenschilder für neue Mitglieder und ausgekehlte Wappen, wo das Risiko übermächtig war.
Zur Barockausstattung ge-hörten insbesondere auch die Bilder, die die Wand zwischen Paneel und Decke ausfüllen. Sie stammen aus der Zeit zwischen 1650 und 1740. Sie zeigen die in den Rat der Hansestadt gewählten Mitglieder der Kaufleute-Kompanie.
 


Der Sitzungssaal - das „Große Gemach der Kaufleute-Kompanie“ - aus dem Jahre 1610. Die Fläche zwischen den Paneelen und der Decke füllen Bilder von Kaufleuten, die in den Rat der Hansestadt Lübeck gewählt wurden. Viele von ihnen wurden zu Bürgermeistern ernannt. Die Bilder im Sitzungssaal stammen aus der Zeit zwischen etwa 1650 und 1740. Der Sitzungssaal wird für die verschiedensten Veranstaltungen des IZL genutzt.

 


Viele von ihnen brachten es zu Würde des Bürger-meisters, viele Namen haben in der lübeckischen Geschichte einen guten Klang. Der Sitzungssaal wird heute vom IZL für Besprechungen, Seminare, Workshops und andere Veranstaltungen mit bis zu ca. 20 Personen genutzt und vermietet.
Ein Stück lebendige Geschichte.
 
Das Fredenhagen-Zimmer
Ein einmaliges Kleinod der Renaissance-Schnitzkunst ist das Fredenhagen Zimmer. Das Zimmer gehörte ursprünglich zur Ausstattung eines prächtigen Bürgerhauses in dem von 1692 bis 1709 Thomas Fredenhagen gewohnt hat. Sein Name als erfolgreicher Lübecker Kaufmann blieb mit dem Zimmer verbunden, obwohl er nicht der Auftraggeber war, sondern der frühere Hausbesitzer Klaus von Berken. Dieser ließ das Zimmer in elfjähriger Arbeit von 1572 bis 1583 herstellen. Der Schöpfer des Zimmers war Hans Dreger. Er war aller Wahrscheinlichkeit nach Lübecker, hier hat er zumindest sein Hauptwerk geschaffen. Das Zimmer erstaunt immer wieder die Besucher durch die verwendeten Materialien und die Fülle der Darstellungen. Die Paneele wurden aus Eichenholz gearbeitet, für Reliefs und Friese wurde zu-meist Birnbaumholz und für die eingelassenen Reliefs weißer Alabaster verwendet.


Links:
Detail aus dem Fredenhagen Zimmer:Ein Wandfeld aus der Folge der „Fünf Sinne“.

Rechts:
Dieses Detail zeigt das schöne Zusammenspiel von Holz und Alabaster.

 
Der Raum enthält über 1.000 Figuren.Zu den vielfältigen Darstellungen gehören unter anderem die fünf Sinne,Szenen aus der Bibel,aus der antiken Mythologie. Zusätzliche Besonderheiten sind ein Wandschrank mit breiten Klappen, sowie eine Tür, die die sowohl links als auch rechts geöffnet werden kann - sie ist doppelt „angeschlagen“.
Im Jahre 1818 drohte ein Verkauf des Fredenhagen Zimmers. Glücklicherweise erwarb der Ältermann der Kaufleute-Kompanie, J. W. Brand, das Zimmer für den damals nicht geringen Preis von 3.360 Mark und machte es der Kompanie zum Geschenk.
So wurde es nach Vollendung des Neubaus im Jahre 1840 „mit einigen Weglassungen und Verletzungen“ in das Haus der Kaufleute-Kompanie eingebaut.
Das Zimmer wird heute „nur“ für Dokumenten- oder Vertragsunterzeichnungen genutzt.


Links:
Die Kassettendecke im Fredenhagen Zimmer.Antike Motive gehören auch hier zur Ausgestaltung.

Rechts:
Die „doppelt angeschlagene“ Tür im Fredenhagen Zimmer,die sich sowohl links wie rechts öffnen läßt.